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Nachrichten / 11 Okt 2010

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Lothar Bisky zur Giftschlammflut in Ungarn

Bei der durch den Bruch eines Rückhaltebeckens ausgelösten Flut ergoss sich innerhalb weniger Stunden eine Menge von Schlamm über drei Dörfer, die nicht viel kleiner war als die 900...

Bei der durch den Bruch eines Rückhaltebeckens ausgelösten Flut ergoss sich innerhalb weniger Stunden eine Menge von Schlamm über drei Dörfer, die nicht viel kleiner war als die 900 Millionen Liter Öl, die im Verlauf mehrerer Monate aus der explodierten BP-Ölquelle in den Golf von Mexiko ausgetreten ist.
Die Partei der Europäischen Linken drückt ihr Mitgefühl für die Opfer der Umweltkatastrophe in der Region Veszprém und für ihre Angehörigen aus. Sies ist äußerst besorgt darüber, dass deren Zahl noch steigen kann, da die Menschen in diesem Gebiet keine Schutzmasken haben und von den Behörden nicht bezüglich des weiteren Vorgehens beraten werden.
Obwohl der Industrieunfall als eine schreckliche Umweltkatastrophe beschrieben worden ist und derzeit das gesamte Ökosystem der Donau, des zweitlängsten europäischen Flusses, bedroht, ist von den zuständigen Behörden bisher wenig unternommen worden.
Es gibt Gemeinschaftsvorschriften über Vorsorge und Umweltschutz, die nicht eingehalten wurden. Wir fordern die Behörden und alle relevanten Organisationen auf, alles in ihrer Machtstehende zu tun, um Menschen sowie ihr Hab und Gut zu retten, und Dringlichkeitsmaßnahmen zu ergreifen, um den Umweltschaden zu begrenzen. Staatliche Einrichtungen, NGOs, zivile und professionelle Organisationen müssen zusammenarbeiten und internationale Hilfe akzeptieren, um den Schaden zu begrenzen und eine unabhängige Untersuchung durchzuführen.
Es ist wichtig, dass das Unternehmen und die zuständigen Behörden für die aktuellen und künftigen Schäden verantwortlich gemacht werden, die durch dieses tragische Ereignis entstanden, das offenbar durch Nichteinhaltung von Umweltgesetzen und Sicherheitsstandards verursacht wurde, die durch ein System ignoriert werden, das nur auf Unternehmensgewinne und wirtschaftliche Interessen hört.
Die Ungarische Nachrichtenagentur (MTI) räumte ein, dass eine ähnliche Umweltkatastrophe in der Region Almásfüzitő geschehen kann. Quellen der Ungarischen Arbeiterpartei 2006 haben uns bereits informiert, dass in der Region Kolontár noch Rückhaltebecken mit verschiedenen giftigen Chemikalien unter extrem gefährdeten Bedingungen arbeiten – mit behördlicher Genehmigung! Das kann eine unvorhersehbare Gefahr für die Umwelt von der Donau bis zum Schwarzen Meer auslösen.
Devecser hat auf tragische Weise gezeigt, dass das seit Jahrzehnten angewendete Speicherungsverfahren ein großes Risiko birgt. Die spezifische Art der Speicherung war Veränderungen der natürlichen Bedingungen extrem ausgesetzt. Doch die Katastrophe in Devecser stellt nur einen kleinen Teil der wirklichen Gefahr dar, verglichen mit den Risiken der Rotschlammspeicherung bei den Städten Neszmély, Dunaalmás und Almásfüzítő.
Infolge dieser ökologischen Katastrophe können alle Trinkwasserquellen entlang des Flusses verunreinigt werden, einschließlich der Anlage von Szentendre, welche die Hauptstadt Budapest beliefert, und vieler anderer Regionen und Länder. Serbien, Kroatien und Rumänien stellen bereits Notfallpläne auf.
Lothar Bisky, Vorsitzender der Europäischen Linken
Brüssel, 11. Oktober 2010

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